
02 Die Autofähre
Von Ancona aus brachte uns die erste Fähre in einem Tag nach Patras. Zwischen uns und Piräus lagen 200km Autobahn entlang des Golfes von Korinth.
In Piräus schifften wir auf der nächsten Fähre nach Chios und dort ein drittes Mal nach Çesme ein.
Wir kamen also innerhalb kürzester Zeit in den Genuss, dreimal auf und dreimal von der Fähre runter zu fahren. Sobald man auf das Hafengelände gefahren ist, muss man die eigene Logik wegpacken und sich dirigieren lassen. Da steht man in einer Reihe und hofft in der richtigen Kolonne zu sein. Nur ja kein Nickerchen machen, denn plötzlich werden die Fahrzeuge vom Hafenpersonal neu gemischt.
Kaum im Innern des Schiffes angekommen muss es nach teils stundenlangem Warten ganz schnell gehen. Der Schiffsrumpf einer Fähre ist ein ganz ausgeklügeltes Parkhaus für kleinste PWs bis hin zum Sattelschlepper. Niemand weiss im Vorfeld wo und in welcher Richtung geparkt werden soll. Einmal auf der richtigen Etage angekommen, wird man jeweils von einer wechselnden Anzahl von Einweisern in Empfang genommen, denen man nun total ausgeliefert ist. Für diese Aufgabe eignen sich nur Menschen mit lockeren Schultern, Ellbogen und Handgelenken. Haben sie dich einmal im Blick, dann dirigieren sie dich mit wilden Arm- und Handbewegungen in eine Ecke, welche genau, das ist nicht so einfach zu erkennen. Meistens ist es mehr als eine Person, die sich um dich kümmert. Oft verfolgen diese Personen unterschiedliche Strategien, was dazu führt, dass du als Fahrer sicher etwas falsch machst. Das hat zur Folge, dass sie mit den Armen weiter ausholen und schneller und hektischer werden. Natürlich immer von einem nervösen „Go Go Go! „ begleitet.
Da es ja noch andere Fahrzeuge in nächster Nähe im Rangiermodus gibt, versucht jeder Fahrer noch selber etwas zum Gelingen beizutragen. Das bringt ihnen jeweils grimmige Blicke und lautstarke Zurechtweisungen ein.
Endlich in der finalen Parkposition angekommen, entspannt sich jede Faser des Körpers und da ist die Lust auf einen Drink in der Bar verständlich.
Welch eine Überraschung, da wird einem doch von genau den selben Personen charmant ein Kaffee serviert. Jetzt nicht mehr im Blaumann sondern im schicken Dress. Später wird man den selben Gesichtern im A la Carte Restaurant die Bestellung für das Abendessen anvertrauen. Jetzt sind sie die Freundlichkeit in Person und haben alle Geduld der Welt.
Einmal im Zielhafen gekommen, könnte man erwarten, mit der gleichen Aufmerksamkeit bedacht zu werden wie zu Beginn der Fahrt. Doch nein, da ist niemand mehr zum Winken und Kommandieren, sie sind alle mit der Reinigung der Kabinen beschäftigt.
Eine ganze Schiffsladung allein gelassener Fahrer will plötzlich wie in Panik das Schiff verlassen.
Einige können geradeaus fahren,das ist easy, viele müssen wenden, einige Fahrer haben die Ankunft verpennt und ihre Vehikel versperren den Weg. Das ist mühsam. Wenn Lastwagen mit von der Partie sind, wird es kritisch. Der Stärkere hat immer Vorfahrt.
Endlich in Freiheit, ist da nur noch ein Gedanke „ nichts wie weg!“













