
04 Durch die Türkei
Gestern haben wir die Türkei verlassen und sind nach Georgien eingereist.
Vor 10 Tagen haben wir in Çesme türkischen Boden betreten.
Wir haben verschiedene Gesichter des Landes kennengelernt. Zwischen den modernen riesigen Malls, Botoxlippen und Bauchnabel Piercings im Westen bis zu verhüllten Frauen in Pluderhosen im Osten liegen 1600km.
In Konya besuchten wir die wichtigste Moschee des Derwischordens mit dem Mausoleum ihres geistigen Vaters Dschalal ad-Din genannt Rumi. Obwohl Atatürk in den 1950iger Jahren die religiöse Ausübung des Derwischordens verboten hat, wird er bis heute praktiziert. Im Rahmen von „ folkloristischen „ Aufführungen in Profanbauten kommen noch heute Anhänger zum Gottesdienst zusammen. Wir sahen die tanzenden Derwische während einer dieser Darbietungen. Es war sehr beeindruckend, den Sprechgesang, die rhythmische Musik und die sich wie in Trance drehenden Männer zu erleben.
Am Nemrut Dagî tauchten wir in die vorchristliche Zeit ein. Um ca 60 v Chr. hat Antiochos I Theos auf einem Berg auf über 2100 m ein monumentales Heiligtum und Grabmahl errichten lassen. Es ist ein 45 m hoher Kegel, bestehend aus etwa Faustgrossen Steinen. Zu dessen Füssen leisteten einstmals 8-10 m hohe griechische- persische Götterstatuen König Antiochos Gesellschaft. Im Hügel wird eine Grabkammer vermutet, die allerdings ungeachtet vieler Versuche, in das Innere des Hügels vorzudringen, bis heute nicht nachgewiesen wurde.
In Ostanatolien, am riesengrossen Van See machten wir schliesslich Bekanntschaft mit der armenischen Sakralarchitektur der Spitzenklasse. Wir besuchten die Insel Akdamar mit der Kirche ‚Zum heiligen Kreuz’ aus dem 1. Jahrtausend, zu der ehemals ein Kloster- und Palastanlage gehörten. Die Außenwände der Kirche sind reich mit Reliefs verziert, die viele bekannte biblische Geschichten darstellen, wie zum Beispiel die von Adam und Eva. Außerdem wurden auf den Reliefs 30 Tierarten entdeckt, die heute teilweise ausgestorben oder kurz davor sind.
An unserem Übernachtungsplatz am Seeufer lernten wir eine einheimische Familie kennen. Bei Tee und Lokum, einer türkischen Süssigkeit, verbrachten wir den Nachmittag. Google translate sei Dank konnten wir einander aus unseren Leben erzählen. Als sie erfuhren, dass HW freudigen Opa Pflichten entgegen sieht, wurde er sofort zum Babysitter ernannt.
Die Menschen in unserem Gastland begegnen uns mit einer sehr grossen Offenheit und herzlicher Gastfreundschaft.
An der Grenze zu Armenien liegen die Überreste von Ani, der ehemaligen Hauptstadt des grossen armenischen Reiches. In seiner Blütezeit im 1. Jahrtausend lebten in der „ Stadt der 1001 Kirchen“ mehr als 100 000 Menschen. Mit der Kapitulation des Osmanischen Reichs im Oktober 1918 fiel Ani zunächst unter die Kontrolle des neugegründeten Staats Armenien. Nach dem Türkisch-Armenischen Krieg von 1920 gelangte Ani an die Türkei.
Bedroht von „Restaurierungsarbeiten“, Kulturvandalismus, Erdbeben und in jüngerer Vergangenheit auch durch Bodenerschütterungen (ausgelöst durch Sprengungen in einem Steinbruch auf armenischem Gebiet), steht die Zukunft dieses UNESCO Kulturdenkmals in Frage.



























